Was für ein Auftakt in die neue Regionalliga-Saison! Die HSG Willstätt-Hanauerland hat beim TVS 1907 Baden-Baden einen Handball-Krimi geboten, der an Dramatik kaum zu überbieten war. Vor 800 frenetischen Zuschauern in der stimmungsvollen Rheintalhalle setzte sich die HSG am Ende mit 27:26 (13:11) durch – und das dank eines direkt verwandelten Freiwurfs von Lennart Cotic nach Ablauf der Spielzeit. Ein Moment, der allen HSG-Fans noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Ein Start mit Nervosität – und schmerzhafte Rückschläge
Baden-Baden kam besser in die Partie und legte die ersten Treffer vor. Die HSG zeigte zunächst Nerven, kämpfte sich aber mit Leidenschaft zurück ins Spiel. Früh musste das Team jedoch Verletzungspech verkraften: Ilja Kosmirak erlitt direkt nach seiner Einwechslung einen Schlag auf den Oberschenkel und konnte wegen eines schmerzhaften „Pferdekusses“ nicht mehr weitermachen.
Kurz vor der Halbzeit folgte der nächste Schockmoment: Joffrey Bonnemberger sah nach einer umstrittenen Aktion die Rote Karte und stand seiner Mannschaft die gesamte zweite Hälfte nicht mehr zur Verfügung.
Trotz dieser Rückschläge kämpfte die HSG verbissen weiter und ging mit einer 13:11-Führung in die Kabine.
Starke Phase nach der Pause – und weitere Rückschläge
Direkt nach Wiederanpfiff zeigte die HSG ihre beste Phase. Lucas Limouzin, Moritz Schade und Mikka Huber bauten die Führung aus, die HSG schien das Spiel im Griff zu haben. Doch erneut kam das Verletzungspech dazwischen: Dinko Dodig knickte nach einem Sprungwurf unglücklich auf dem Fuß eines Gegenspielers um und konnte ebenfalls nicht mehr eingesetzt werden.
Umso bemerkenswerter war, wie das Team reagierte: Der junge Tristan Meder übernahm ab der zweiten Halbzeit die Spielregie – und machte ein Wahnsinnsspiel. Mit Übersicht, Ruhe und mutigen Pässen führte er die Mannschaft und brachte wichtige Impulse ins Offensivspiel.
Baden-Baden nutzte dennoch die numerische Überlegenheit nach einigen Hinausstellungen der HSG und kämpfte sich Tor um Tor zurück. In der 58. Minute gelang dem TVS tatsächlich der 26:26-Ausgleich – die Halle stand Kopf.
Die letzte Sekunde – und die pure Ekstase
Noch 20 Sekunden auf der Uhr: Trainer Michael Bohn nahm die Auszeit, um den finalen Angriff zu besprechen. Die Spannung war mit Händen zu greifen, beide Fanlager standen. Dann der letzte Freiwurf für die HSG nach Ablauf der Zeit – alles lastete auf den Schultern von Lennart Cotic. Mit stoischer Ruhe legte er den Ball auf, nahm Maß und hämmerte den Ball unhaltbar in die Maschen. Endstand: 27:26!
Was danach geschah, war pure Ekstase: Spieler, Trainer, Betreuer und Fans lagen sich jubelnd in den Armen, während auf der Tribüne ein ohrenbetäubender Jubel losbrach. Ein Sieg, der nicht nur zwei Punkte bringt, sondern auch das Selbstvertrauen und den Teamgeist der HSG unterstreicht.
Stimmen zum Spiel
Trainer Michael Bohn nach dem Schlusspfiff:
„So einen Saisonauftakt wünscht man sich als Trainer – auch wenn er mich ein paar Nerven gekostet hat. Wir haben mit Leidenschaft gekämpft, Rückschläge weggesteckt und am Ende diesen unglaublichen Moment erlebt. Dieser Sieg gehört der ganzen Mannschaft.“
Matchwinner Lennart Cotic ergänzte mit einem Schmunzeln:
„In diesem Moment habe ich gar nicht nachgedacht. Ich wusste, ich muss Verantwortung übernehmen – und als der Ball drin war, gab es nur noch Gänsehaut.“
Mit diesem emotionalen Sieg startet die HSG Willstätt-Hanauerland nicht nur erfolgreich, sondern auch mit einem echten Ausrufezeichen in die neue Saison. Verletzungen, Unterzahl, rote Karte – all das konnte die Mannschaft nicht stoppen. Im Gegenteil: Mit Leidenschaft, Teamgeist und einem jungen Regisseur namens Tristan Meder zeigte die HSG, dass sie auch unter Druck bestehen kann.
TV Sandweier – HSG Willstätt-Hanauerland: 26:27 (11:13)
05.09.2025 – 20:30 Uhr, Sandweier, Männer-Regionalliga, Zuschauer: 800
TV Sandweier: Moritz Ebert (4), André Ockert (4), Jeremias Seebacher (4), Maximilian Strüwing (4), Julian Schlager (3), Linus Demler (2), Elias Dörflinger (2), Tim Krauth (2), Luis Klingler (1), Luis Materna, Mirco Schlageter, Dominik Ströhm, Andreas Uttke, Maximilian Vollmer, Sebastian Wichmann Offizielle: Marius Merkel, Sandro Catak, Kai Wilke, Frank Zink,
HSG Willstätt-Hanauerland: Lennart Cotic (6), Lucas Limouzin (5), Moritz Schade (5), Maxime Duchene (3), Illia Hreblev (3), Mikka Huber (3), Joffrey Bonnemberger (1), Dinko Dodig (1), Ajdin Alkic, Luka Karic, Ilja Kosmirak, Tristan Meder, Fabian Reith, Aron Zimmermann, Gunther Zölle, Offizielle: Frederik Beker, Michael Bohn, Frank Klomfaß, Ole Andersen
Schiedsrichter: David Keßler, Niclas Mild
Zeitnehmer: Felix Pflüger
Sekretär: Elke Minder






