Nach sechs Siegen in Serie musste die HSG Willstätt-Hanauerland am Samstagabend im Topspiel gegen den Tabellenzweiten TSB Schwäbisch Gmünd die erste Saisonniederlage hinnehmen. Vor rund 700 Zuschauern in der Hanauerlandhalle entwickelte sich ein hochklassiges und emotionales Duell zweier Spitzenmannschaften, das die Gäste am Ende mit 41:36 (17:17) für sich entschieden. Trotz der Niederlage bleibt die HSG weiterhin an der Tabellenspitze.
Gmünd mit harter Gangart gegen Cotic – frühe Rote Karte heizt Partie auf
Von Beginn an stand HSG-Torjäger Lennart Cotic im Fokus der Gästeabwehr. Schwäbisch Gmünd attackierte den Rückraumspieler von Minute eins an äußerst aggressiv, was das Schiedsrichtergespann mehrfach ermahnte. Nach 15 Minuten war das Maß voll: Der Gmünder Abwehrriese Andreas Maier sah nach einem groben Foulspiel an Cotic die Rote Karte. Ab diesem Moment wurde die Partie spürbar hitziger – mit intensiven Zweikämpfen, emotionalen Szenen und Provokationen auf beiden Seiten.
Starkes Spiel, aber fehlendes Glück in der Schlussphase
„Ich kann meiner Mannschaft kaum etwas vorwerfen. Wir haben ein starkes Spiel gezeigt, aber am Ende haben uns Zeitstrafen und etwas Pech aus dem Rhythmus gebracht“, bilanzierte Trainer Michael Bohn nach der Partie. Besonders bitter: Beim Stand von 25:27 (44.) traf der überragende Cotic per Siebenmeter nur die Unterkante der Latte – der Ball sprang zurück ins Feld. Kurz darauf schwächte die umstrittene Rote Karte gegen Illia Hreblev das Team zusätzlich.
„Das war ein verdienter Sieg für Schwäbisch Gmünd, auch wenn er knapp zustande kam. In den entscheidenden Momenten waren sie einfach abgezockter“, zeigte sich Bohn fair. Großen Anteil am Gästesieg hatte Spielmacher Tom Abt, der mit zehn Treffern kaum zu bremsen war.
Rote Karte bringt HSG aus dem Tritt
Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zunächst ausgeglichen, ehe die Gäste ihre Chance in Überzahl nutzten. Beim Stand von 23:24 (41.) übernahm der TSB die Führung und gab sie bis zum Schlusspfiff nicht mehr her.
Die Disqualifikation von Hreblev (50.) nach einem Foul an der Mittellinie sorgte schließlich für die Vorentscheidung – vor allem, weil kurz darauf die Gemüter endgültig hochkochten. Nur wenige Sekunden nach der HSG-Roten Karte sah Stephan Mühleisen auf Gmünder Seite für ein deutlich härteres Foul lediglich zwei Minuten, was auf der Willstätter Bank für großen Unmut sorgte. In der aufgeheizten Atmosphäre erhielt die HSG-Bank zusätzlich eine weitere Zeitstrafe – plötzlich hieß es vier gegen sechs.
Die Gäste nutzten diese doppelte Überzahl eiskalt aus, zogen auf fünf Tore davon und entschieden damit das Spiel. In den Schlussminuten folgte zudem eine unnötige Zeitstrafe gegen Lennart Cotic, womit die HSG auch die letzte Chance auf eine Aufholjagd verlor.
Andersen lobt Abwehrarbeit – Unterzahl nicht zu kompensieren
Auch Ole Andersen aus dem HSG-Trainerteam – der seit Wochen das Abwehrtraining leitet – zog nach dem Spiel ein klares Fazit:
„Wir arbeiten seit Wochen intensiv an der Stabilität unserer Abwehr – und das mit Erfolg. Aber wenn du in der zweiten Halbzeit fast ständig in Unterzahl spielst, kannst du das gegen so eine Mannschaft nicht kompensieren. Schwäbisch Gmünd hat das überragend runtergespielt, kaum Fehler gemacht und ihre Chancen eiskalt genutzt. Mit einem Mann weniger wird es auch für unsere Torhüter natürlich deutlich schwerer.“
HSG kämpft bis zum Schluss
Die Hanauerländer warfen in der Schlussphase mit einer offensiven 5:1- und später 4:2-Deckung noch einmal alles nach vorn, doch Schwäbisch Gmünd blieb cool und baute den Vorsprung bis auf sechs Tore aus (32:38/57.). „Wir hatten heute einfach nicht das nötige Spielglück. Trotzdem bin ich stolz auf die Jungs – die Leistung war absolut in Ordnung“, betonte Bohn.
Blick nach vorn: Heimspiel gegen Plochingen
Am kommenden Samstag (Anpfiff 20 Uhr) steht für die HSG das dritte Heimspiel in Folge an. Gegner ist der TV Plochingen (15. Platz, 2:12 Punkte). „Wir wollen sofort wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und unseren Fans ein starkes Spiel zeigen“, so Bohn abschließend.
HSG Willstätt-Hanauerland – TSB Schwäbisch Gmünd 36:41 (17:17)
HSG: Duchene (1.–45., 55.–60.), Zölle (46.–55.); Kosmirak 2, Karic, Meder, Dodig 5, Huber, Hreblev 5, Schade 5, Alkic 2, Bonnemberger 2, Reith, Cotic 13/3
TSB: D. Mühleisen, Klemm; St. Mühleisen 2, Bächle 4, Abt 10, Waibel, Y. Leichs 4, Maier 2, Abele 1/1, J. Leichs, Scholz 3, Neumaier, Waldenmaier, Burtsche 12/6
Schiedsrichter: Sebastian von Briel / Claudia Lipps
Zuschauer: 700
Siebenmeter: 3/4 – 7/7
Zeitstrafen: 12 Minuten (HSG) – 4 Minuten (TSB)
Disqualifikationen: Maier (15., TSB), Hreblev (50., HSG)






