Mit viel Herz, starkem Start – und am Ende ein paar schweißnassen Händen – hat die HSG Willstätt-Hanauerland ihr Heimspiel gegen den direkten Tabellennachbarn SG Weinstadt mit 29:27 (18:11) gewonnen. Was zur Pause und kurz nach Wiederanpfiff nach einer klaren Angelegenheit aussah, entwickelte sich in der Schlussphase zu einem echten Handball-Krimi – mit dem besseren Ende für die Hausherren.
Dabei begann die Partie alles andere als optimal für die HSG. Zwar eröffnete Lucas Limouzin bereits nach 56 Sekunden den Torreigen zum 1:0, doch Weinstadt zeigte sich zunächst präsenter und konsequenter. Nach Treffern von Sigle und Lidle lagen die Gastgeber früh mit 1:3 (4.) und wenig später sogar mit 2:4 (5.) zurück. Auch beim 5:7 in der 9. Minute schien die SG zunächst die Spielkontrolle zu haben. Erst als Torhüter Maxime Duchene seinen ersten Ball parierte, kippte die Statik des Spiels.
Von diesem Moment an fand die HSG ihren Rhythmus – vor allem in der Defensive. Die Abwehr stand kompakter, arbeitete aggressiver im Verbund, und im Angriff übernahmen Illia Hreblev und Limouzin Verantwortung. Binnen weniger Minuten drehte Willstätt die Partie: Aus dem 5:7 wurde durch Tore von Bonnemberger, Limouzin und Hreblev eine 9:7-Führung (14.). Spätestens jetzt war die Halle da, und die Gastgeber nutzten den Rückenwind. Nach dem 13:8 (20.) und 15:9 (22.) hatte sich die HSG ein erstes kleines Polster erarbeitet.
Besonders emotional wurde es, als Lennart Cotic nach zwölf Minuten sein Comeback gab. Der Halblinke, lange durch Pfeiffersches Drüsenfieber außer Gefecht, brachte sofort Entlastung und setzte Akzente. Sein Treffer zum 10:8 (15.) und wenig später das 12:8 (17.) fügten sich nahtlos in eine starke Willstätter Phase ein. Zur Pause stand ein verdientes 18:11 auf der Anzeigetafel – Ausdruck einer konzentrierten, zielstrebigen Vorstellung.
Nach dem Seitenwechsel schien die HSG endgültig auf der Siegerstraße. Cotic traf nach 31:52 zum 20:11, kurz darauf stellte Dinko Dodig auf 21:11 – erstmals zehn Tore Vorsprung. Die Hausherren spielten mit Tempo, Übersicht und Spielfreude. „Bis dahin war das richtig stark“, sollte Trainer Michael Bohn später sagen. Doch genau an diesem Punkt verlor die Partie ihre klare Linie.
Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich Fehlwürfe, technische Fehler und unnötige Zeitstrafen ein. Weinstadt witterte seine Chance – allen voran Peter Stäudle, der von Rechtsaußen und aus dem Rückraum kaum zu stoppen war. Tor um Tor arbeiteten sich die Gäste heran: 22:14 (36.), 24:18 (42.), 25:21 (47.). Die HSG vergab in dieser Phase beste Möglichkeiten: ein Siebenmeter von Limouzin, ein Gegenstoß von Dodig, zwei freie Würfe von Ilja Kosmirak an die Latte, dazu ein unbedrängter Kreiswurf von Luka Karic – Chancen, die normalerweise sitzen.
Als Weinstadt in der 55. Minute durch Stäudle tatsächlich zum 26:26 ausglich, war die Stimmung in der Halle angespannt. Die sichere Führung war dahin, die Partie komplett offen. Doch genau jetzt zeigte die HSG Moral. Limouzin übernahm Verantwortung und knallte den Ball aus dem rechten Rückraum zum 27:26 (55:10) in die Maschen. Wenig später vergab Hreblev zwar einen Siebenmeter, behielt aber im Nachwurf die Nerven und stellte 90 Sekunden vor Schluss auf 28:26.
In der hektischen Schlussphase war es erneut Duchene, der mit wichtigen Paraden Ruhe ins Spiel brachte. Weinstadt kam zwar noch einmal auf 28:27 heran, doch Luka Karic machte mit dem Treffer zum 29:27 (59.) endgültig den Deckel drauf. Erleichterung, Jubel – und das Wissen, ein Spiel gewonnen zu haben, das man sich unnötig schwer gemacht hatte.
Unterm Strich bleibt ein verdienter, wenn auch hart erkämpfter Heimsieg. Mit nun zwei Erfolgen in Serie hält die HSG als Tabellensiebter weiter Kontakt zur Spitzengruppe um HSG Albstadt. Trainer Bohn bilanzierte kritisch, aber zufrieden: „Wir müssen lernen, solche Spiele klarer zu Ende zu bringen.“ Gelegenheit dazu gibt es bereits am kommenden Sonntag – auswärts bei der MTG Wangen.






