„Das war grandios!“ – Michael Bohn rang nach Abpfiff selbst nach Worten. Und tatsächlich: Was unsere HSG Willstätt-Hanauerland am Samstagabend in der Mazmannhalle abgeliefert hat, war nichts weniger als ein echtes Handball-Wunder.
Mit gerade einmal sieben Feldspielern – dezimiert, angeschlagen, aber mit riesigem Herz – bezwang unsere Mannschaft den bisherigen Tabellenführer HSG Albstadt mit 39:38 (20:20). In einem Hexenkessel, vor lautstarker Kulisse, gegen ein Topteam. Mehr geht nicht.
Von der ersten Sekunde an war klar: Diese Mannschaft ist gekommen, um alles zu geben. Nach dem frühen Rückstand antworteten Ajdin Alkic und Dinko Dodig sofort – und plötzlich war sie da, diese Energie.
Trotz früher Unterzahl spielte die HSG mutig nach vorne. Hreblev, Dodig, Alkic – sie alle übernahmen Verantwortung. Als Illia Hreblev in der 9. Minute zum 5:8 traf, spürte man: Hier wächst etwas zusammen.
Und dann dieser Moment in der 17. Minute: Lorenz Schmid (A-Jugend), 17 Jahre jung, trifft zum 11:14. Furchtlos. Abgeklärt. Einfach stark.
Natürlich kam Albstadt zurück. Natürlich wurde es laut. Und natürlich drehte der Spitzenreiter das Spiel zwischenzeitlich (16:15, 21. Minute).
Aber unsere Jungs? Blieben ruhig. Blieben dran. Blieben EIN TEAM.
Kurz vor der Pause übernahm erneut Illia Hreblev Verantwortung und verwandelte eiskalt vom Punkt zum 20:20 (30.). Alles wieder offen.
Was dann folgte, war pure Willenskraft.
Tristan Meder (A-Jugend), gerade einmal 18, lenkte das Spiel mit einer Ruhe, als hätte er schon hundert solcher Spiele bestritten. Seine Treffer zum 22:23 (34.) und 26:28 (41.) waren nicht nur Tore – sie waren Statements.
Dinko Dodig ging voran, war immer anspielbar, immer gefährlich. Seine Tore zum 32:34 und 32:35 (52.) rissen die Mannschaft mit.
Und als Moritz Schade in der 54. Minute auf 33:37 stellte und Illia Hreblev kurz darauf das 34:38 (56.) nachlegte, lag die Sensation in der Luft.
Doch dieses Spiel hatte noch ein Drehbuch, das selbst den kühnsten Optimisten zittern ließ.
Eine Zeitstrafe gegen die Bank (56.) – plötzlich war der Rhythmus weg. Albstadt kam zurück. Tor um Tor.
- Minute: 37:38.
- Minute: 38:38 (59:02) – Ausgleich.
Die Halle kocht. Alles kippt. Alles steht auf Messers Schneide.
59:31 Minuten.
Trainer Michael Bohn geht all-in, nimmt den Torhüter raus, bringt den siebten Feldspieler.
Der Ball läuft. Die Zeit tickt.
Und dann: Lorenz Schmid.
Der 17-Jährige steigt hoch. Nimmt all den Mut dieser Mannschaft in diesen einen Wurf.
TOR! 38:39!
Stille. Dann Explosion.
Was danach bleibt, ist mehr als ein Ergebnis.
Es ist der Beweis, was möglich ist, wenn eine Mannschaft zusammensteht. Wenn jeder für jeden kämpft. Wenn junge Spieler über sich hinauswachsen und Führungsspieler vorangehen.
Dinko Dodig mit 11 Toren als unermüdlicher Antreiber.
Illia Hreblev mit 10 Treffern und eiskalter Nervenstärke.
Tristan Meder als Spielmacher mit Übersicht und Mut.
Ajdin Alkic, Luca Karic und Moritz Schade, die auf beiden Seiten alles reinwarfen.
Und Gunter Zölle, der in der Schlussphase wichtige Bälle parierte.
Und mittendrin: Lorenz Schmid – Matchwinner. Mit 17.
Fünfter Sieg in Folge. Platz vier. Und mittendrin im Aufstiegsrennen.
Diese Mannschaft hat gezeigt, was in ihr steckt. Und eines ist sicher:
Das war noch lange nicht das Ende dieser Geschichte.
HSG Albstadt: Gregor Thomann (11), Julian Thomann (9), Lasse Fuchs (5), Patrick Lebherz (5), Fabian Mayer (3), Fynn Menzel (2), Noa-Gabriel Alilovic (1), Simon Flügel (1), Julian Mayer (1), Magnus Betz, Tim Bänsch, Edis Camovic, Elias Flügel, Samuel Hartmann, Vladimir Tadic
Offizielle: Lilli Bänsch, Tobias Exner, Tobias Hilsenbeck, Dominik Koch
HSG Willstätt-Hanauerland: Dinko Dodig (11), Illia Hreblev (10), Tristan Meder (6), Ajdin Alkic (5), Moritz Schade (3), Luka Karic (2), Lorenz Schmid (2), Maxime Duchene, Yasin Harbi, Nikola Damir Rebus, Fabian Reith, Gunther Zölle
Offizielle: Michael Bohn, Frank Klomfaß, Frederik Beker
Schiedsrichter: Kai Füller, Vincent Maass
Zeitnehmer: Martin Fien
Sekretär: Elke Minder






