Dramatisches Finale sichert den Heimsieg
Was für ein Abschluss, was für ein Derby, was für Emotionen: Mit der letzten Aktion des Spiels hielt Gunter Zölle den Sieg fest – und ließ die Hanauerlandhalle explodieren. Baden-Badens Joel Kraus kam frei vom Rechtsaußen zum Wurf, doch Zölle lenkte den Ball an den Pfosten, der Abpraller landete bei der HSG – dann war Schluss. 28:27 (12:13) gewinnt die HSG Willstätt-Hanauerland ihr letztes Heimspiel der Saison und sorgt vor rund 900 Zuschauern für pure Ekstase.
Die HSG legte los wie die Feuerwehr. Bereits nach gut sieben Minuten stand es 4:0 – Tore von Lennart Cotic, Moritz Schade und Dinko Dodig brachten die Gastgeber früh auf Kurs. Baden-Baden wirkte unter Druck nervös, leistete sich Fehlwürfe, technische Fehler und ließ gleich zwei Siebenmeter ungenutzt. Erst in der achten Minute gelang den Gästen der erste Treffer.
Doch mit zunehmender Spielzeit fand der Aufstiegskandidat besser ins Spiel. Die aggressive 3:2:1-Abwehr stellte die HSG vor Probleme, im Angriff nutzte Baden-Baden konsequent das 7-gegen-6-Spiel. Vor allem Elias Dörflinger übernahm Verantwortung und traf immer wieder. In der 28. Minute kippte die Partie erstmals (11:12), zur Pause lag die HSG knapp mit 12:13 hinten.
Alkic bringt die Wende – Cotic überragt
Nach dem Seitenwechsel brachte Ajdin Alkic frischen Schwung ins Spiel der Willstätter. Mit mehr Bewegung im Angriff und verbesserter Abstimmung in der Abwehr kämpfte sich die HSG zurück. Zwar lag man beim 17:19 (39.) noch im Hintertreffen, doch dann folgte eine starke Phase: Cotic und zweimal Alkic drehten das Spiel mit drei Treffern in Serie zur 20:19-Führung.
Angetrieben von einem überragenden Lennart Cotic, der insgesamt zehn Treffer erzielte, setzte sich die HSG sogar auf 23:20 ab (47.). Doch Baden-Baden gab sich nicht geschlagen, kämpfte sich zurück und glich wenig später zum 23:23 aus.
Rote Karte und verpasste Chancen halten Spiel offen
In der Schlussphase wurde es hitzig. Nach einem Foul an Cotic sah Baden-Badens Julian Schlager die Rote Karte (50.) – eine harte Entscheidung, die das Spiel zusätzlich anheizte. Die HSG hatte mehrfach die Chance, sich entscheidend abzusetzen, ließ diese jedoch ungenutzt. Unter anderem verwarf Illia Hreblev einen Siebenmeter, insgesamt ließ Willstätt zwei Strafwürfe und gleich mehrere Chancen auf das leere Tor liegen, da Baden-Baden dauerhaft ohne Torhüter agierte.
Zölle wächst über sich hinaus
In dieser Phase übernahm Gunter Zölle die Hauptrolle. Der HSG-Keeper parierte mehrfach stark, darunter auch einen wichtigen Siebenmeter von Luis Klingler beim Stand von 24:23. „Wir hätten es auch leichter haben können“, atmete Trainer Michael Bohn nach Spielende durch, doch genau diese Paraden hielten die HSG im Spiel.
Die Schlussminuten hatten alles, was ein Derby braucht. Beim Stand von 27:25 erhöhte Cotic knapp zweieinhalb Minuten vor Schluss auf 27:25, kurz darauf traf Dinko Dodig zum 28:26 (58:38). Doch Baden-Baden verkürzte erneut auf 28:27. 34 Sekunden vor dem Ende hatte die HSG die Chance zur Entscheidung – doch Hreblev vergab seinen zweiten Siebenmeter des Abends.
So kam Baden-Baden noch einmal in Ballbesitz – und zur letzten Wurfchance. Doch dann kam der Moment von Zölle.
Emotionaler Abschied vor großer Kulisse
Mit dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Spieler, Trainer und Fans feierten gemeinsam einen leidenschaftlichen Derby-Sieg und einen emotionalen Saisonabschluss in der Hanauerlandhalle. „Das haben wir uns verdient. Für uns und die Fans war das ein toller Abschluss“, freute sich Matchwinner Lennart Cotic.
Für Trainer Michael Bohn war es der perfekte Abschied vor heimischem Publikum. Nach der Saison übergibt er sein Amt – und durfte sich nun genau so verabschieden, wie er es sich gewünscht hatte: mit einem Heimsieg.
Neben Bohn wurden auch mehrere Spieler verabschiedet. Aron Zimmermann, Fabian Reith und Louis Welle verlassen die HSG wie geplant. Überraschend kam dagegen der Abschied von Spielmacher Joffrey Bonnemberger, der erklärte: „Der Verein und ich haben uns nicht einigen können, eigentlich wollte ich bleiben.“
Ein Abend, der bleibt
Es war ein Spiel auf des Messers Schneide, ein Derby voller Intensität und ein Abend voller Emotionen. Die HSG Willstätt-Hanauerland zeigt noch einmal alles, kämpft bis zur letzten Sekunde – und belohnt sich mit einem Sieg, der in Erinnerung bleiben wird.





