25:31 im ersten Heimspiel – HSG zeigt nach schwacher erster Halbzeit Moral, belohnt sich aber nicht für starke Aufholjagd
Das hatten sich die Handballer der HSG Willstätt-Hanauerland ganz anders vorgestellt. Nach der 25:32-Niederlage zum Saisonauftakt beim TV Neuhausen/Erms musste sich unsere Mannschaft auch im ersten Heimspiel der neuen Regionalliga-Saison geschlagen geben. Gegen den starken Aufsteiger TSV Schmiden unterlag die HSG am Samstagabend in der Hanauerlandhalle mit 25:31 (10:16).
Dabei begann die Partie vor rund 250 Zuschauern zunächst vielversprechend. Roy James erzielte nach knapp einer Minute die erste HSG-Führung, und bis zum 7:5 nach knapp zwölf Minuten sah es danach aus, als könnte unsere Mannschaft den erhofften ersten Heimsieg einfahren. Mit Lennart Cotic war zudem der HSG-Toptorschütze nach seiner privaten Abwesenheit in der Vorwoche wieder zurück auf der Platte.
Doch dann riss der Faden.
Fünf Gegentore in Folge drehen die Partie
Schmiden nutzte eine Schwächephase der HSG konsequent aus und drehte die Partie mit einem 5:0-Lauf zum 7:10. Die Gäste spielten mit hohem Tempo und stellten unsere Abwehr immer wieder vor Probleme. Besonders Mittelmann Joey König, der am Ende sieben Treffer erzielte, war kaum zu bremsen.
Gleichzeitig tat sich die HSG im Angriff zunehmend schwer. Zu viele technische Fehler verhinderten einen kontrollierten Spielaufbau und eröffneten Schmiden immer wieder einfache Möglichkeiten. Allein in der ersten Halbzeit leistete sich unsere Mannschaft zehn technische Fehler.
Ole Andersen reagierte und brachte gegen Ende des ersten Durchgangs Tristan Meder. Dadurch kam wieder mehr Tempo ins HSG-Spiel. Doch der Rückstand war zu diesem Zeitpunkt bereits groß. Schmiden ging mit einer 16:10-Führung in die Pause.
„Wir haben die erste Hälfte total verschlafen. Erst als ich gegen Ende des ersten Durchgangs Tristan Meder für Cotic brachte, bekamen wir mehr Tempo ins Spiel. Wir leben von unserer Schnelligkeit“, analysierte der HSG-Trainer nach der Partie.
HSG zeigt nach der Pause ein anderes Gesicht
Nach dem Seitenwechsel zeigte unsere Mannschaft dann, dass sie sich noch lange nicht aufgegeben hatte. Schmiden konnte den Vorsprung zunächst sogar auf sieben Tore ausbauen, doch die HSG kämpfte sich zurück.
Moritz Schade übernahm Verantwortung und hielt unsere Mannschaft mit drei Treffern in Folge im Spiel. Auch Ajdin Alkic fand nun besser in die Partie. Der Österreicher, bei dem sich an diesem Abend Licht und Schatten abwechselten, erzielte wichtige Treffer und leitete gemeinsam mit seinen Teamkollegen die Aufholjagd ein.
Nach dem 17:23 in der 43. Minute begann die beste Phase der HSG. Die Abwehr stand nun deutlich stabiler, im Innenblock sorgten Roy James und Moritz Schade für mehr Sicherheit. Dahinter konnte sich auch Torhüter Maxime Duchene mehrfach auszeichnen.
Und plötzlich war die HSG wieder dran.
Alkic traf mehrfach und brachte unsere Mannschaft immer näher heran. Nach dem 22:25 war endgültig wieder Spannung in der Hanauerlandhalle. Kurz darauf verkürzte die HSG sogar auf 23:25. Die Zuschauer spürten: Hier könnte noch etwas gehen.
Die entscheidenden Minuten
Doch genau in dieser entscheidenden Phase fehlte unserer Mannschaft die nötige Ruhe. Schmiden blieb cool und spielte seinen Stiefel weiter herunter. Während sich beim Aufsteiger keine Hektik einschlich, häuften sich auf HSG-Seite wieder Fehlwürfe und unnötige Ballverluste.
Nach dem 24:28 in der 55. Minute war die Partie praktisch entschieden. Luka Karic konnte noch einmal auf 25:28 verkürzen, doch Schmiden antwortete unmittelbar und machte mit drei weiteren Treffern den Auswärtssieg perfekt. Am Ende stand ein 25:31 auf der Anzeigetafel.
„Wenn wir in dieser Phase kühlen Kopf bewahrt hätten, hätten wir noch etwas holen können“, sagte Ole Andersen nach dem Spiel.
Nachwuchs bekommt seine Chance
Trotz der Enttäuschung gab es auch einen besonderen Moment aus HSG-Sicht: Tom-Linus Kahle feierte sein Debüt in der Regionalliga. Der A-Jugendliche kam bereits ab der 19. Minute zum Einsatz und erzielte bei seinem ersten Auftritt auf dieser Bühne gleich zwei Treffer.
Die Chance für Kahle entstand auch durch die angespannte Personalsituation auf Rechtsaußen. Illia Hreblev fällt nach seinem Teilabriss des hinteren Kreuzbandes weiterhin aus, während Lorenz Schmid seit der vergangenen Woche aufgrund eines gebrochenen Handgelenks ebenfalls nicht zur Verfügung steht.
Auch Eliot Regenery kam erstmals in einem Pflichtspiel für die HSG zum Einsatz. Der Franzose hatte unter der Woche seine Freigabe erhalten und durfte in der Schlussviertelstunde auf Linksaußen ran.
Gerade diese Einsätze stehen auch für den eingeschlagenen Weg der HSG: Die eigene Jugend soll ihre Chance bekommen und Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. Der Saisonstart zeigt allerdings auch, dass dieser Weg Geduld und harte Arbeit erfordert.
Jetzt zählt das Derby
Nach zwei Spielen steht die HSG damit noch ohne Punkt da. Viel Zeit zum Grübeln bleibt allerdings nicht. Bereits am Freitag wartet das erste Ortenau-Derby der Saison beim Aufsteiger HTV Meißenheim.
„Wir müssen uns steigern“, gab Ole Andersen nach der Partie die Richtung vor.
Und genau das ist jetzt gefragt. Die Enttäuschung über den verpassten Heimsieg muss weichen, denn im Derby werden die Karten neu gemischt.
Kopf hoch, HSG! Gemeinsam weiterkämpfen.
HSG Willstätt-Hanauerland – TSV Schmiden 25:31 (10:16)
Willstätt-H.: Duchene (24.-60.), Zölle (1.-23.); Kosmirak, Karic 2, Meder, Kahle 2, Limouzin 4, Dodig 2, James 2, Regenery 1, Schade 4, Retz, Rebus, Alkic 5, Cotic 3/2
Schmiden: Wolf (1.-60.), Katzenberger; Eckstein 1, König 7, Lehmkühler 3, Traub 1, Baur 4, Funk, Philipp 1, Paul 2, Feirabend 5/3, Bühler 3, Züfle, Geßwein 2, Pichler 2
Schiedsrichter: Stephan Long/Sebastian Schott (Schriesheim/Laudenbach) – Zuschauer: 250
Siebenmeter: 2/3 (Cotic verwirft) – 3/4 (Feirabend verwirft)
Zeitstrafen: Vier Minuten für Willstätt (Kosmirak, Limouzin) – sechs Minuten für Schmiden (Baur, Philipp, Eckstein)







